Joe Biden: Rückhalt bröckelt - Demokraten zweifeln an seiner Eignung als Kandidat (2024)

US-PräsidentschaftswahlBiden witzelt über sein Alter – Rückhalt bei Demokraten bröckelt

Allen Zweifeln zum Trotz tourt Joe Biden im Wahlkampf durch Pennsylvania. Doch die Gruppe von Demokraten, die lieber einen anderen Präsidentschaftskandidaten auf dem Wahlzettel hätten, wächst.

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Joe Biden: Rückhalt bröckelt - Demokraten zweifeln an seiner Eignung als Kandidat (1)

Ungeachtet der Debatte über seine körperliche Fitness für eine zweite Amtszeit hat US-Präsident Joe Biden eine Reihe von Wahlkampfauftritten im Bundesstaat Pennsylvania absolviert. Der 81-jährige Demokrat sprach zunächst in einer vor allem von Schwarzen besuchten Kirche in Philadelphia. In derselben Stadt legte er danach einen überraschenden Zwischenstopp bei Wahlkampfhelfern ein, bevor er schließlich im weiter westlich gelegenen Harrisburg lange mit Anhängern sprach, für Selfies posierte und Limonade trank. Auf dem Rückweg zum Flughafen besuchte er noch ein Café.

Biden schien damit dem Narrativ der vergangenen Woche entgegenwirken zu wollen, er sei dem Wahlkampf körperlich nicht mehr gewachsen. Während er durch Pennsylvania tingelte, kamen demokratische Abgeordnete aus dem Repräsentantenhaus bei einer außerordentlichen Schalte zusammen. Der Minderheitsführer der Parlamentskammer, Hakeem Jeffries, hatte das Treffen anberaumt. US-Medien berichteten danach unter Berufung auf mit der Situation vertraute Personen, mehrere hochrangige Parteivertreter seien überzeugt, Biden müsse aus dem Rennen um das Weiße Haus aussteigen.

Unruhe verbreitet sich bei Demokraten

Sollten diese Vertreter ihre Überzeugung öffentlich machen, würden sie sich fünf Abgeordneten anschließen, die diesen Schritt bereits gegangen sind. Zwei weitere Abgeordnete haben ihre Einschätzung publik gemacht, dass Biden bei der Präsidentenwahl im November nicht gegen seinen republikanischen Herausforderer Donald Trump gewinnen kann. Andere demokratische Kongressmitglieder äußerten sich bislang nicht ganz so drastisch, drückten aber Besorgnis aus.

Bei den Demokraten geht die Befürchtung um, dass Bidens Lage sich auf das eigene Mandat auswirken könnte – bei der US-Wahl im November stehen neben dem Präsidentenamt auch alle Sitze im Repräsentantenhaus zur Abstimmung sowie ein Drittel aller Sitze im Senat. Im Zuge der heute beginnenden Sitzungswoche im US-Parlament wird vor allem deshalb mit weiteren Abweichlern gerechnet.

»Das kann keine Woche sein, in der alles wie gewohnt läuft«, sagte Senator Chris Murphy beim Sender CNN. Biden müsse der amerikanischen Öffentlichkeit beweisen, dass er immer noch derjenige sei, »den so viele von uns kennen und lieben«. Murphy betonte, er glaube, dass Biden es schaffen könne, sagte aber auch: »Die Uhr tickt.«

Ähnlich äußerte sich Adam Schiff bei NBC. Besonders besorgniserregend fand der demokratische Abgeordnete Bidens Aussage in einem viel beachteten TV-Interview, dass es letztlich darum gehe, ob er als Kandidat »sein Bestes gegeben« habe. Schiff widersprach energisch: »Es geht nicht nur darum, ob er sein Bestes gegeben hat, sondern vielmehr darum, ob er die richtige Entscheidung getroffen hat, zu kandidieren.« Es gehe darum, »ob dieses Land eine Demokratie bleibt, oder ob wir in eine Art Pseudodiktatur abdriften«, sagte Schiff.

Sanders stellt sich hinter Biden

Anders bewertet wurde die Lage von Bernie Sanders. »Präsident Biden kann Donald Trump, den gefährlichsten Präsidenten in der Geschichte dieses Landes, eindeutig besiegen«, konstatierte der parteilose Senator beim Sender CBS. Biden sei alt und könne sich nicht mehr so elegant ausdrücken, räumte Sanders ein. »Ich wünschte, er könnte die Stufen der Air Force One hinaufspringen – das kann er nicht.« Im Zentrum der Debatte müsse nun aber stehen, wessen Politik der großen Mehrheit des Landes zugutekäme.

In Pennsylvania – ein »Swing State«, der weder Demokraten noch Republikanern fest zugerechnet werden kann – präsentierte Biden sich Seite an Seite mit politischen Verbündeten aus dem Bundesstaat und adressierte unter anderem selbstironisch sein hohes Alter.

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»Ich weiß, ich sehe aus, als ob ich erst 40 Jahre alt bin«, witzelte er in der Kirche in Philadelphia vor einer jubelnden Gemeinde. »Aber ich bin schon eine ganze Weile dabei und offen gestanden nie optimistischer wegen Amerikas Zukunft gewesen.« Dafür müssten aber alle gemeinsam anpacken, so Biden. Seine Rede las er mit kraftvoller Stimme von einem Manuskript ab. Bei den darauffolgenden Auftritten sprach er ohne Notizen oder Teleprompter – die Forderung danach hatten besorgte Parteikollegen zuvor mehrfach gestellt.

Auch einem Radiosender in Pennsylvania gab Biden ein Interview. Die Fragen wurden allerdings von der Presseabteilung seines Teams vorbereitet und von der Moderatorin übernommen, wie US-Medien berichten. Diese wurde daraufhin vom Sender WURD Radio entlassen. Man verstehe sich nicht als Sprachrohr der Biden-Regierung oder irgendeiner anderen Regierung, hieß es vom Sender.

Seit seinem desaströsen Auftritt beim ersten TV-Duell gegen Trump kämpft Biden an allen Fronten. Ein TV-Interview Bidens heizte Zweifel über seine Eignung teils eher an, als sie zu zerstreuen. Er sagte dabei unter anderem, nur Gott könne ihn zum Rückzug bewegen, lehnte einen ärztlichen Test zu seiner geistigen Fitness ab und stellte schlechte Umfragewerte infrage.

lpz/dpa

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